Interview mit Andrea Corti

Nach einer über 20 Jahre langen Präsidentschaft kündete Andrea Corti an der diesjährigen Hauptversammlung seinen Rücktritt an. Somit geht eine lange Ära zu Ende; Andrea Corti, ein Urgestein und Mitgründer von volley muri bern verabschiedet sich aus dem Vorstand, allerdings bleibt er als Passeur im Herren3 noch weiterhin für uns aktiv!

Das folgende Interview mit Andrea gibt Einblick in eine über 20 Jahre lange Vereinsarbeit bis zurück zur Gründung von volley muri bern.
Zuversichtlich übergibt Andrea die Präsidentschaft an Matthias Kunz, der mit Sicherheit dieses “Amt mit Herzblut ausüben wird”.

Ein Interview von Selina Wüthrich

1.     Zuerst möchte ich dich als Person vorstellen. Wie alt bist du (Geburtstagsdatum)? Ausbildung? Was und wo arbeitest du? Wo bist du aufgewachsen? Wie lange lebst du schon in Muri? Wo wohnst du? Wie lange spielst du schon Volleyball? Hast du nebst dem Volley noch andere Hobbys?

Ich bin am 20.8.1962 in Luzern geboren und in Ruswil (LU), Ostermundigen und Muri b. Bern aufgewachsen. Heute wohne ich im Ortsteil Gümligen der Gemeinde Muri. An der Uni Bern habe ich Jus studiert und mit dem bernischen Fürsprecherpatent (Anwaltspatent) abgeschlossen. Heute arbeite ich als Zivilrichter in der Zivilabteilung des Regionalgerichts Bern-Laupen. Mit etwa fünfzehn Jahre habe ich begonnen Hallenvolleyball zu spielen. Ich tobe mich auch gerne beim Sandvolleyball, Freeriden im Schnee, Kitsurfen auf Wasser und Schnee und beim Mountainbiken aus.

 

2.     In welchen Teams hast du bisher gespielt? welche Position spielst du? und wo wirst du nächste Saison spielen?

Zunächst viele Jahre im einzigen Herrenteam (als Exotenteams unter mehreren Frauenteams im Verein) und dann im Herren 2 als Zuspieler, welches letzte Saison in die 2. Liga aufgestiegen ist. Diese Saison spiele ich im Herren 3 (3. Liga) als Aussenangreifer, Dia oder Zuspieler.

 

3.     Kannst du mir etwas über die Entstehungsgeschichte vom Verein volley muri bern erzählen? Wann ist der Verein entstanden? Nenne die wichtigsten Etappen der Entstehungsgeschichte und was hast du zur Entstehung des Vereins beigetragen?

Der Volleyballclub Wittigkofen wurde im 1976 gegründet. Das Wittigkofenquartier liegt im Süden der Gemeinde Bern und grenzt an die Gemeinde Muri. Im 1990 wurde der Volleyballclub Muri-Gümligen gegründet. Die beiden Vereine haben zusammen gearbeitet, nicht zuletzt, da im einen Verein Juniorinnenteams und im anderen Verein Aktiventeams an den Jahresmeisterschaften teilnahmen.

Im Sommer 2001 konnte die geplante Fusion der beiden Vereine umgesetzt werden und es entstand der neue Verein volley muri bern.

Der ehemalige Verein VBC Muri-Gümligen hiess ursprünglich VBC Netzhüpfer Muri-Gümligen und nahm seit 1981 mit Juniorinnenteams an den Meisterschaften des Regionalen Volleyballverbandes Bern teil.

Der Volleyballclub Wittigkofen beteiligte sich im Herbst 1978 bis Frühling 1979 das erste Mal an der Regionalen Volleyballmeisterschaft. Eine Spielerlizenz kostete für die Regionalliga damals noch Fr. 20.— heute muss man Fr. 70.– hinblättern.

Ich bin seit ungefähr 1987 im Verein und war bereits im Vorstand tätig bevor ich im 1989 zum Präsidenten gewählt wurde.

Sportliche Vereins-Highlights waren:

1982 Aufstieg des Damen 1 in die 3. Liga.

1987 Aufstieg des Damen 1 in die 2. Liga auf und 1989 Aufstieg in die 1. Nationalliga.

1991 Aufstieg eines Juniorenteams in die Juniorinnen-A-Meistergruppe.

1993 Schweizer-Meister-Titel von Juniorinnen im Minivolleyball (Schulsport).

1993 Aufstieg des einzigen Herrenteams in die 3. Liga und im 1999 Aufstieg in die 2. Liga.

2000 Aufstieg des Damen 1 in die NLB und verbleib während 3 Jahren.

2003 Schweizermeistertitel der Kategorie 15 bis 17 Jährige im Beachvolleyball für zwei Juniorinnen Janine Desarzens und Salome Ursprung.

2007 Aufstieg vom Damen 2 in die 2. Liga und vom Damen 3 in die 3. Liga.

Mittlerweile 9 Teams, welche die Hallenmeisterschaft bestreiten.

 

4.     Wann hast du das Amt des Präsidenten angetreten? Wer war vorher Präsident? Weshalb wurdest du Präsident?

Bis 1989 war Fridolin Krügel, der bei der Vereinsgründung dabei war, Präsident und ab 1989 bis Mai 2013 nahm ich diese Funktion wahr. Ich stellte mich für die Vorstandsarbeit zur Verfügung, weil ich motiviert war, in einer „Nonprofit-Organisation“ ehrenamtliche Arbeit zu leisten, bei welcher ich gleichzeitig auch noch aktives Mitglied war – und heute noch bin.

5.     Was hat sich seit deinem Antritt als Präsident im Verein verändert?

Die Bedürfnisse der Teams und der Trainer an den Verein, den Vorstand, sind laufend (zu Recht) gestiegen, weshalb der Organisationsaufwand für den Vereins-Vorstand entsprechend immer grösser wurde. Die Ausgaben stiegen auch laufend an, zum Teil fremdbestimmt. Aus einem familiären „Grüppchen“ von Aktiven ist für Hallenvolleyballverhältnisse ein mittelgrosser Verein gewachsen.

 

6.     Bis vor einem Jahr wurden fast alle Aufgaben im Verein von dir gemacht. Welche waren das, bevor du angefangen hast, die Aufgaben im Verein zu verteilen?

Dank der Initiative von Matthias Kunz haben wir im Vorstand vor ein paar Jahren begonnen, neben den Vorstandsfunktionen noch weitere Funktionen zu definieren und versucht, diese mit Vereinsmitgliedern zu besetzen. Bevor die ersten Entlastungsmassnahmen zu greifen begannen, hatte ich neben dem Präsidentenamt noch folgende Jobs: Hallensuche, Hallenreservation für die Heimspiele, Schiedsrichter für die Teams organisieren, Newsletter anfangs und Ende Hallensaison, Vereinsmatchberichte während der Winterhallensaison für die Lokalnachrichten von Muri-Gümligen, Matchfotos von den Teams, Herbstturnierwochenende organisieren, Beachturnierwochenenden organisieren. Seit März 2013 sind mit der Präsidentenfunktion keine Nebenjobs mehr verbunden.

 

7.     Was waren die schönsten Aufgaben deiner Präsidentschaft? Was war dein Highlight?

Ich habe als Präsident unter anderem so lange „durchgehalten“ weil die jeweiligen Vorstandsmitglieder hochmotiviert am Vereinskarren mitgezogen haben. Zu den Highlights zählen die zahlreichen sportlichen Erfolge unsere Teams/Trainer/Coaches und einzelner Mitglieder, dass wir von zwei auf neuen Teams „ausbauen“ und ihnen insbesondere die Hallenzeiten organisieren konnten und dass ein Spirit entstanden ist, der dazu führt, dass Mitglieder über viele Jahre gerne im Verein bleiben oder wieder zu uns zurückkehren.

 

8.     Was waren die schwierigsten Aufgaben?

Dass meine Arbeitsbelastung laufend zugenommen hat und ich eine gewisse Zeit wegen noch anderen ehrenamtlichen Jobs zu viel um die Ohren hatte. Nicht einfach war es teilweise, Abgänge im Vorstand neu zu besetzen oder Halleneinheiten für die Teams und Ersatztrainer zu finden.

 

9.     Welche Tipps kannst du Matthias Kunz aus deiner langjährigen Erfahrung mitgeben?

 Er braucht keine Tipps von mir. Er hat – bevor er in Bern aus Liebe hängen geblieben ist – bereits Vorstandsarbeit geleistet und ist seit Jahren in unserem Vereinsvorstand dabei. Ich weiss, dass er sein Amt mit Herzblut ausüben wird und das ist das Wichtigste!

 

10.  Wie fühlst du dich, nach 20 Jahren dein Amt abzugeben?

Eigentlich sollte die Antwort lauten: Einerseits erleichtert, andererseits wehmütig. Doch ich schaue nicht wehmütig auf meine Präsidentenzeit zurück, denn ich geniesse es, freie Zeit wieder gewonnen zu haben. Ich hatte mehrmals gesagt, dass ich keinen Dank erwarte, jedoch jederzeit aufhöre, wenn ich hierzu den Wunsch verspüren sollte.

 

11.  Bleibst du weiterhin im Verein volley muri bern?

Ja selbstverständlich, ich kann doch diesen tollen Verein mit seinen sympathischen, volleyballangefressenen Idealisten nicht verlassen! 😉

 

12.  Du bist nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch beim Bier danach immer mit dabei. Sei es das Barstreet oder der Ausgang im Trainingslager, du bist immer an vorderster Front am mitfeiern. Mit deiner Energie stellst du oft deine über 20 Jahre jüngeren Teamkollegen in den Schatten. Woher nimmst du diese Energie? Macht dir der grosse Altersunterschied im Team nichts aus?

Ich glaube, dass mir eben gerade Spiel, Training und mit den Teamkollegen zusammen zu sein die Energie gibt – und ich finde, man soll die Feste feiern, wenn sie fallen, ich weiss ja schliesslich nicht was morgen sein wird…. Mir macht der Altersunterscheid im Team nichts aus und ich finde es toll, dass die Jüngeren mich – noch – akzeptieren, was gar nicht selbstverständlich ist und ich hoffe doch, sehr, dass man es mir ehrlich sagt, wenn ich nicht mehr geduldet bin!

 

 13.  Was ist dein Lieblingsgetränk im Ausgang?

Ein Glas Milch – macht müde alte Männer munter!

 

14.  Was wünschst du dem Verein für die Zukunft? Was würdest du verbessern? Mit was bist du besonders zufrieden?

Ich wünsche mir, dass alle Mitglieder immer wieder daran denken, dass unser Verein so wie er gewachsen ist nur weiterbestehen kann, wenn alle laufend ihren Teil dazu beitragen und jederzeit bereit sind, kleinere oder grössere Aufgaben zu übernehmen!

Besonders zufrieden bin ich, dass Letzteres seit rund 37 Jahren recht gut funktioniert hat.

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